«Lebensversicherung» ZSO EMME
Am 1. Juni 2024 kam es in Vitznau im Gebiet Hinterbergen zu einem grossen Hangrutsch. Seither war die Zivilschutzorganisation (ZSO) EMME pausenlos im 24-Stunden Schichtbetrieb mit rund 500 Manntagen im Einsatz. Dank der Beobachtungsarbeiten, Verpflegung und Beleuchtung durch die ZSO EMME konnten die privaten und spezialisierten Bauunternehmen sicher im Gefahrengebiet arbeiten.
Einsatz der ZSO EMME nach dem Hangrutsch in Vitznau
Mit einer kleinen Seilbahn geht’s in das Gefahrengebiet Hinterbergen, das auf rund 1‘200 Höhenmeter, hoch über dem Dorf Vitznau thront. Vor Ort scheint alles improvisiert – kein Wunder, musste der Einsatz doch innert weniger Stunden orchestriert und seit Tagen im unwegsamen Gelände und bei zumeist garstigem Wetter geleistet werden. So bildet etwa ein Bauernhof-Gaden den Kommandoposten-Front; die Verpflegung kommt mit der Seilbahn an; und zu den verschiedenen Beobachtungsposten müssen die eingeteilten Zivilschützer zu Fuss in steilem Gelände verschieben, da die Zufahrtstrassen grösstenteils verschüttet sind.
Rückblende
Am Samstag, 1. Juni 2024, riss ein Bach, gespeist mit Wasser aus verschiedenen Rinnsalen, einen ganzen Waldabschnitt eines überwässerten Hanges mit und rutschte kontinuierlich nach unten, gesamthaft rund 300‘000 Kubikmeter Erd- und Gesteinsmassen. Zwischenzeitlich wurden acht umliegende Bauernhöfe evakuiert. Die Schäden konnten glücklicherweise klein gehalten werden: Nebst einem eingedrückten Silo eines Bauernhofes, dessen Gülle ausgelaufen ist, sowie verschütteten Strassen, konnten bisher Personen- sowie weiterer Sachschaden verhindert werden. Zwei Grundbesitzer sind nach wie vor stark gefährdet. Infolgedessen wird mit vereinten Kräften versucht, die lokale Bevölkerung und Einrichtungen vor Ort zu schützen.
Beobachtung, Verpflegung und Beleuchtung
Nebst privaten, auf Hangarbeiten spezialisierte Bauunternehmen, die von der Gemeinde Vitznau engagiert wurden, ist seit dem Hangrutsch auch die ZSO EMME in deren Vertragsgemeinde Vitznau im Einsatz. Die Aufgabe des Zivilschutzes ist es, den Hang zu beobachten, die Verpflegung der privaten Baufirmen zu gewährleisten sowie die Beleuchtung des Einsatzgebiets sicherzustellen. Dabei sind sowohl Pioniere, Führungsunterstützer als auch Logistiker inkl. Küche im 24-Stunden Schichtbetrieb rund um die Uhr im Einsatz. Insbesondere die Beobachtung des Hanges ist zentral: Auf vier verschiedenen Beobachtungsposten, verteilt über mehrere hundert Meter, wird die Bewegung des Hanges beobachtet, dokumentiert und analysiert. Sollten sich Teile des Hanges wieder stärker hangabwärts bewegen, werden die Arbeitenden, sowie Anwohnerinnen und Anwohner mittels einer eigens installierten SBB-Gleissirene und Funkgeräten alarmiert. Diese Hauptaufgabe birgt auch eine grosse Verantwortung: Denn ohne Überwachung, ist kein Arbeiten im Rutschgebiet möglich. Alex Küttel ist selbst Zivilschützer bei der ZSO EMME, vom Hangrutsch betroffener Landbesitzer und täglich mit Schaufel und Motorsäge am Arbeiten. Er meint: «Wir sind sehr froh um die ZSO EMME. Sie ist unsere Lebensversicherung! Wenn wir im Gefahrengebiet arbeiten, ist es nicht möglich gleichzeitig den Hang und seine Bewegungen zu beobachten. Diese Aufgabe übernehmen die Zivilschützer und können uns im Notfall innert Sekunden alarmieren.» Grosse Teile seines Landes sind von Geröll übersät, die Zufahrtsstrasse verschüttet und der Gaden sowie die Sägerei weiterhin gefährdet. Um diese und weitere Bauten zu schützen, wird aktuell im Gefahrengebiet weiter gearbeitet.
Positives Fazit und bereits nächster Einsatz
Markus Arnet, Einsatzleiter Front, ist mit dem Einsatz der ZSO EMME sehr zufrieden. Es sei zwar anstrengend, doch für viele Eingeteilte auch ein Erlebnis, dass sie das Gelernte nun im Ernstfall anwenden könnten. Er schliesst an: «Das Fazit ist rundum positiv: So klappte die Zusammenarbeit mit Feuerwehr und den privaten Bauunternehmungen einwandfrei, trotz akuter Gefahrenlage». Es ist sichtlich zu spüren, dass die Verantwortung der letzten Tage nicht spurlos an ihm vorbeigegangen ist. Mit dem gestrigen Tag endete der Einsatz der ZSO EMME im Einsatzgebiet fürs Erste. Die Überwachung des Hangrutschgebietes wird nun von einer privaten Firma und technischen Messgeräten weitergeführt. Mit dem Start des Fahrdienstes für die Friedenskonferenz auf dem Bürgenstock wartet bereits der nächste Grossauftrag auf die ZSO EMME.